Let’s Make Money – Film über den Neoliberalen Kapitalismus und einen Economic Hit Man

„Der Film dokumentiert die Geldströme im globalen Finanzsystem und bezeugt die ungleiche Verteilung des Vermögens auf der Welt sowie innerhalb von Gesellschaften“ (Wikipedia).

Heute war ich im Kino in dem neuen Film Let’s Make Money von dem österreichischen Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer und ich muss sagen der Film hat mich wirklich schockiert. Einiges der hier überzeugend dargestellten globalen Ungerechtigkeiten war ich ja schon gewohnt durch mein Studium der Entwicklungspolitik und Literatur z.B. von Joseph Stiglitz. Jedoch hinterlassen die Zahlen und Buchstaben in schwarz-weiß auf den Folien in der Uni und in den Büchern doch einen etwas distanzierenderen Eindruck als die bildliche Darstellung der schweißgebadeten Stirn afrikanischer Jungen beim Baumwollpflücken oder die geschundenen Hände zierlicher Mädchen beim Arbeiten im Steinbruch in Indien, allesamt sicher nicht älter als 12 oder 13 Jahre. Oder die Babies die zwischen den Beinen der Mütter im Steinbruch sitzen müssen, während diese in der Hitze Granitbrocken zertrümmern um den Lebensunterhalt zu verdienen; die Leute in Burkina Faso die 50 Euro im Jahr(!) verdienen und auch nicht weniger arbeiten als wir hier. Ob sie wohl jemals einen Radio besitzen werden?? Oder die tausenden von leerstehenden Luxusimmobilien zwischen gespränkelten Golfplätzen an der Costa del Sol in Spanien, die nach der Immobilienkrise keine Abnehmer mehr finden und mich übrigens sehr an Dubai erinnerten.

Da verwundert es nicht, dass ein gebildeter Afrikaner sagt, man könne die Mauern zur Abschirmung Afrikas vom Westen 10 Meter hoch bauen und sie werden trotzdem alle in den Westen kommen, wenn es so weitergeht wie bisher. Wenn die ungerechten Subventionen der eigenen Ökonomien im Westen gang und gäbe sind, dies aber den Entwicklungsländern von den internationalen Finanzgebern wie Weltbank oder IWF unter Androhung von Kreditstreichungen verboten wird.
Ein Film den man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben muss und locker in die Klasse des Michael Moore-ebenbürtigen Aufklärungsjournalismus aufzunehmen ist.

Hier ein Let’s Make Money-Trailer von 2 Minuten:

Der wohl schockierendste Teil des Filmes ist die Beschreibung und das Interview des Economic Hit Man („Wirtschaftskillers“ oder “Knochenbrechers“) John Perkins. Perkins hatte angeblich im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes NSA die Regierungen von Entwicklungsländern in den Ruin gestürzt, um den USA leichteren Zugriff auf deren Rohstoffressourcen zu ermöglichen.

Hier ein 17-minütiges (englisches aber gut verständliches) Interview mit dem Economic Hit Man John Perkins von ALJazeera:

Aud einer Website des US State Department’s Bureau of International Information Programs (IIP) von 2006 wird John Perkins allerdings als Verschwörungstheoretiker dargestellt und seine Geschichte als „pure Fantasie“ abgewiesen.

Ob und in wie weit John Perkins wirklich die erwähnte Rolle für den US-Geheimdienst gespielt hat, kann ich leider momentan nicht ganz klar stellen. Fakt ist, dass er scheinbar inzwischen damit sehr häufig in der Öffentlichkeit auftritt und schon mehrere Bücher zum Thema verfasst hat:

- Bekanntester Bestseller: Bekenntnisse eines Economic Hit Man, 2005 (Leseprobe hier).
- Steven Hiatt (ed.): A Game as Old as Empire. The Secret World of Economic Hit Men and the Web of Global Corruption. Introduction by John Perkins, 2007 (Einleitung und erstes Kapitel hier als PDF kostenlos verfügbar).
- The Secret History of the American Empire: The Truth About Economic Hit Men, Jackals, and How to Change the World, 2008.
- Weltmacht ohne Skrupel: Die dunkle Seite der Globalisierung – Wie die USA systematisch Entwicklungsländer ausbeuten, 2007.

Der Geist des Geldes

Wem der Film Let’s Make Money gefällt, dürfte sich übrigens auch für den Film „Der Geist des Geldes“ von Yorick Niess interessieren, der meiner Meinung nach ebenfalls sehr empfehlenswert ist und worin u.a. Jean Ziegler, bis 2008 Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung, zu Wort kommt.

Rettet den Regenwald e.V. fordert EU Importverbot für illegal geschlagenes Holz aus Regenwäldern

Illegale Holzfabriken riesigen Ausmaßes mitten in Regenwald-Schutzgebieten. Skrupellose Händler, korrupte Politiker und Militärs auf höchsten Ebenen. Was die EU dagegen (nicht?) tut.

Der illegale Holzeinschlag in Regenwäldern wird nicht, wie manche sich das vielleicht vorstellen, von ein paar Urwaldindianern im Lendenschurz mit Macheten vorangetrieben, – sowas gibt es natürlich auch, ist aber doch eher tolerabel – sondern von weltumspannenden Möbelfirmen-Netzen und Korrupten Politikern und Militärs.

In Laos werden ganze Sägewerke illegal mitten in den unter Schutz stehenden Regenwald gebaut, von wo sich fortan ein nicht enden wollender Zug an Tieflader-LKWs belanden mit Urwaldriesen auf den Weg vorbei an skrupellosen Geschäftsherren in Indionesien und beschwindelten Zollbehörden an den EU-Grenzen in deutsche Möbelläden und Bauhäuser machen.

Trotz dass der Holzeinschlag in diesen Gebieten offiziell verboten ist, schaffen es die Inhaber der holzverarbeitenden Betriebe mit Leichtigkeit, die Regierungsbeamten und obersten Militärs in Laos zu bestechen und sich so ungehindert an den letzten verbliebenen Urwaldgebieten der Welt schamlos zu vergreifen.

Siehe hier ein 10-minütiges Video dazu vom SWR-Fernsehen.

Das Problem wird sein, dass die Holzfirmen wesentlich höhere „Löhne“ an die Militärs und Beamten zahlen als es die Regierung tut. Man müsste also a) deren Löhne für eine ordnungsgemäße Befolgung der vorhandenen Gesetze erhöhen, so dass die Befürchtung den Job zu verlieren aufgrund von unrechtmäßiger Machenschaften für sie gewichtiger ist als die hohen Bestechungsgelder der kriminellen Holzbarone. Oder b) die Gewinnmarge der kriminellen Holzbarone derart reduzieren, dass es sich für sie schlichtweg nicht mehr lohnt, illegal die bis zu 1000 Jahre alten Urwaldriesen zu fällen und einigartige Lebensvielfalt unwiederbringlich zu zerstören.

Gut wäre beides. Da wir aber auf a) wenig Einfluss haben, da dies von den Finanzen und der Regierungsführung vor Ort abhängt, bleibt uns nur b) übrig.

Um b) zu erreichen, müssen wir darauf verzichten – zu keinem Preis – dieses Holz anzukaufen, so dass die illegalen Holzbarone keinen Absatzmarkt mehr finden. Schon lange wird ein Importverbot solcher Hölzer auf Bundes- und EU-Ebene diskutiert. Ein von Deutschland bei der EU zur Absegnung eingereichter Gesetzesentwurf zur alleinigen deutschlandweiten Umsetzung ist untergegangen und weder bei der EU noch in Deutschland weiß man, wo der Entwurf verblieben ist.

Das ganze EU-weit umzusetzen wird schon lange – zu lange – diskutiert. Rennomierte Personen wie Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogrammes (UNEP) halten dieses Problem aktuell für äußerst dringenst.

Seit über 10 Jahren unterstütze ich nun schon den Verein Rettet den Regenwald e.V. mit einem kleinen monatlichen Obulus. Der Verein wurde übrigens von der Zeitschrift Öko-Test als einer unter drei mit der Note „sehr gut“ im Umgang mit Spendengeldern von insgesamt 19 getesteten Naturschutz-Vereinen hervorgehoben. Auf der Website von Rettet den Regenwald e.V. www.regenwald.org kann man eine E-Mail als Apell an die EU für ein Importverbot von illegal geschlagenem Regenwaldholz verschicken.

TV-Tipp: In der Reihe Auslandsreporter des SWR wird am 5.11.2008 um 22:30 Uhr die 30-minütige Reportage „Die Raubholz-Mafia – kriminelle Geschäfte mit dem Urwald“ gezeigt.

Öko 2.0 – LOHAS und die Bio-Revolution

Öko 2.0 T-Shirt by Karmakonsum.de

Öko 2.0 T-Shirt by Karmakonsum.de/shirts

Unter karmakonsum.de kann man sich über LOHAS – den Lifestyle of Health and Sustainability informieren. Für einen ökologischen Aufruf bemerkenswert wenig aufdringlich hinterlässt Karmakonsum eher den Eindruck einer entspannten Öko-Bewegung.

Von den beiden Blogbetreibern und Mitarbeitern des Naturtextilien-Anbieters Hess Natur gibt es auf der Website sehr coole T-Shirts aus 100% Bio-Baumwolle wie das hier zu ergattern:

Aufmerksam geworden bin ich auf karmakonsum.de übrigens über einen mindestens genau so coolen Rap-Videoclip, der quasi als Hymne dient.

Der Text mit revolutionärem Charakter dazu ist einfach genial mit Passagen wie „Wir verlangen heute Transparenz und Offenheit„, „wir wollen einfach wissen wer mit uns sein Geld macht“ oder
Denn wir werden das ernten was wir jetzt säen„.

Rappen tun das übrigens Substight, Betreiber der ebenfalls zum Thema passenden Blogs  konsumguerilla.net.

Ach ja, der gesamte Text kann hier nachgelesen werden. (Man kann sich von Substight auch einen eigenen Rap erstellen lassen.)

Hört hier den Track an:

LOHAS – den Lifestyle of Health and Sustainability

Atomkraftwerke – YouTube Video – Lach mal wieder !!!

Huahaha, folgendes Video hab ich gerade auf konsumguerilla.net gefunden. Diese Website ist übrigens n Superblog zu umweltrelevanten Themen im Konsumgüterbereich.