Dr. Jacques Diouf, General Direktor der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) ruf zur Teilnahme an einer Online-Petition auf, um für die hungernden dieser Welt ein Zeichen zu setzen:
Die Zahl der Hungernden hat derzeit einen Höchststand erreicht. Was ist wichtiger? Banken zu retten oder hungernde Menschen vor dem Tod? Hätte man das Geld für die großen Banken für Hungernde eingesetzt, so ließt man, dann wäre das Problem des Hungers dieser Welt gelöst.
Dr. Diouf fordert von den Industrienationen 44 Mrd. Dollar pro Jahr in die landwirtschaftliche Entwicklung der dritten Welt zu investieren. Soviel wurde dort bereits in den 80ern jährlich von den reichen Ländern investiert. Diese Hilfsgelder sind aber inzwischen zum Leid aller Armen der 3. Welt wieder auf ein Viertel davon reduziert worden.
„Der Film dokumentiert die Geldströme im globalen Finanzsystem und bezeugt die ungleiche Verteilung des Vermögens auf der Welt sowie innerhalb von Gesellschaften“ (Wikipedia).
Heute war ich im Kino in dem neuen Film Let’s Make Money von dem österreichischen Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer und ich muss sagen der Film hat mich wirklich schockiert. Einiges der hier überzeugend dargestellten globalen Ungerechtigkeiten war ich ja schon gewohnt durch mein Studium der Entwicklungspolitik und Literatur z.B. von Joseph Stiglitz. Jedoch hinterlassen die Zahlen und Buchstaben in schwarz-weiß auf den Folien in der Uni und in den Büchern doch einen etwas distanzierenderen Eindruck als die bildliche Darstellung der schweißgebadeten Stirn afrikanischer Jungen beim Baumwollpflücken oder die geschundenen Hände zierlicher Mädchen beim Arbeiten im Steinbruch in Indien, allesamt sicher nicht älter als 12 oder 13 Jahre. Oder die Babies die zwischen den Beinen der Mütter im Steinbruch sitzen müssen, während diese in der Hitze Granitbrocken zertrümmern um den Lebensunterhalt zu verdienen; die Leute in Burkina Faso die 50 Euro im Jahr(!) verdienen und auch nicht weniger arbeiten als wir hier. Ob sie wohl jemals einen Radio besitzen werden?? Oder die tausenden von leerstehenden Luxusimmobilien zwischen gespränkelten Golfplätzen an der Costa del Sol in Spanien, die nach der Immobilienkrise keine Abnehmer mehr finden und mich übrigens sehr an Dubai erinnerten.
Da verwundert es nicht, dass ein gebildeter Afrikaner sagt, man könne die Mauern zur Abschirmung Afrikas vom Westen 10 Meter hoch bauen und sie werden trotzdem alle in den Westen kommen, wenn es so weitergeht wie bisher. Wenn die ungerechten Subventionen der eigenen Ökonomien im Westen gang und gäbe sind, dies aber den Entwicklungsländern von den internationalen Finanzgebern wie Weltbank oder IWF unter Androhung von Kreditstreichungen verboten wird.
Ein Film den man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben muss und locker in die Klasse des Michael Moore-ebenbürtigen Aufklärungsjournalismus aufzunehmen ist.
Hier ein Let’s Make Money-Trailer von 2 Minuten:
Der wohl schockierendste Teil des Filmes ist die Beschreibung und das Interview des Economic Hit Man („Wirtschaftskillers“ oder “Knochenbrechers“) John Perkins. Perkins hatte angeblich im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes NSA die Regierungen von Entwicklungsländern in den Ruin gestürzt, um den USA leichteren Zugriff auf deren Rohstoffressourcen zu ermöglichen.
Hier ein 17-minütiges (englisches aber gut verständliches) Interview mit dem Economic Hit Man John Perkins von ALJazeera:
Ob und in wie weit John Perkins wirklich die erwähnte Rolle für den US-Geheimdienst gespielt hat, kann ich leider momentan nicht ganz klar stellen. Fakt ist, dass er scheinbar inzwischen damit sehr häufig in der Öffentlichkeit auftritt und schon mehrere Bücher zum Thema verfasst hat:
- Bekanntester Bestseller: Bekenntnisse eines Economic Hit Man, 2005 (Leseprobe hier).
- Steven Hiatt (ed.): A Game as Old as Empire. The Secret World of Economic Hit Men and the Web of Global Corruption. Introduction by John Perkins, 2007 (Einleitung und erstes Kapitel hier als PDF kostenlos verfügbar).
- The Secret History of the American Empire: The Truth About Economic Hit Men, Jackals, and How to Change the World, 2008.
- Weltmacht ohne Skrupel: Die dunkle Seite der Globalisierung – Wie die USA systematisch Entwicklungsländer ausbeuten, 2007.
Der Geist des Geldes
Wem der Film Let’s Make Money gefällt, dürfte sich übrigens auch für den Film „Der Geist des Geldes“ von Yorick Niess interessieren, der meiner Meinung nach ebenfalls sehr empfehlenswert ist und worin u.a. Jean Ziegler, bis 2008 Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung, zu Wort kommt.
D.h. der Lenker des „Unternehmens Deutschland“ verdient ein sechsundfünfzigstel (1/56)! von dem Lenker von Siemens. Ist Siemens größer als Dt.? Nein, Siemens (430.000 Mitarbeiter) hat einfach nur die Top-Leute unter seinem Dach!!!
Warum gehen Top-Leute lieber zu Siemens als in die öffentliche Forschung (Universitätsprofessor) ? Na Siemens zahlt x-mal besser. Gehört also eine Portion Idealismus/ Altruismus dazu, Professor zu werden statts Siemens-Mitarbeiter??
In Indien hat man mir genau das selbe berichtet, wohl nur noch viel extremer: Die guten Leute gehen in die Industrie statts in die öffentliche (allen zugängliche) Forschung. Der Indische Staat zahlt noch sehr viel weniger an Hochschullehrer im Vergleich zu den Industrielöhnen vor Ort. Folge: Die Bildung wird schlechter und Forschungsergebnisse/ Patente sind von Unternehmen unter Verschluss und werden nicht kostenlos der Allgemeinheit zur Nutzung zur Verfügung gestellt.
Der chinesische Ethnologe Biao Xiang schrieb 2007 über Indien, dass ohne die Frauen und Kinder, die für ein paar Cent pro Tag den IT professionals und Industriekönigen Tee bringen und hinterherputzen, es diese nie so weit geschafft hätten wichtige Angelpunkte im globalen Wirtschaftssystem zu werden.
(Vgl. Xiang, Biao (2007): Global “Body shopping“: An Indian labor system in the information technology industry. Princeton, N.J. [u.a.]: Princeton Univ. Press, 2007.)
Die Menschen hungern und der Regierungschef und Diktator Robert Mugabe lässt unbekümmert die Notenpresse sausen.
Wie schlecht es Leuten in anderen Ländern ergeht, kann man oft nur erahnen. Hier ist ein Artikel zur derzeitigen Lage in Simbabwe: Leben mit Millioneninflation, FTD 14.10.08.