29. Oktober 2008 um 17:47 (Entwicklungspolitik, Umwelt, Wald)
Tags: Abholzung, EU, illegaler Holzeinschlag, Laos, Regenwald, Urwald, Videos, Vietnam
Illegale Holzfabriken riesigen Ausmaßes mitten in Regenwald-Schutzgebieten. Skrupellose Händler, korrupte Politiker und Militärs auf höchsten Ebenen. Was die EU dagegen (nicht?) tut.
Der illegale Holzeinschlag in Regenwäldern wird nicht, wie manche sich das vielleicht vorstellen, von ein paar Urwaldindianern im Lendenschurz mit Macheten vorangetrieben, – sowas gibt es natürlich auch, ist aber doch eher tolerabel – sondern von weltumspannenden Möbelfirmen-Netzen und Korrupten Politikern und Militärs.
In Laos werden ganze Sägewerke illegal mitten in den unter Schutz stehenden Regenwald gebaut, von wo sich fortan ein nicht enden wollender Zug an Tieflader-LKWs belanden mit Urwaldriesen auf den Weg vorbei an skrupellosen Geschäftsherren in Indionesien und beschwindelten Zollbehörden an den EU-Grenzen in deutsche Möbelläden und Bauhäuser machen.
Trotz dass der Holzeinschlag in diesen Gebieten offiziell verboten ist, schaffen es die Inhaber der holzverarbeitenden Betriebe mit Leichtigkeit, die Regierungsbeamten und obersten Militärs in Laos zu bestechen und sich so ungehindert an den letzten verbliebenen Urwaldgebieten der Welt schamlos zu vergreifen.
Siehe hier ein 10-minütiges Video dazu vom SWR-Fernsehen.
Das Problem wird sein, dass die Holzfirmen wesentlich höhere „Löhne“ an die Militärs und Beamten zahlen als es die Regierung tut. Man müsste also a) deren Löhne für eine ordnungsgemäße Befolgung der vorhandenen Gesetze erhöhen, so dass die Befürchtung den Job zu verlieren aufgrund von unrechtmäßiger Machenschaften für sie gewichtiger ist als die hohen Bestechungsgelder der kriminellen Holzbarone. Oder b) die Gewinnmarge der kriminellen Holzbarone derart reduzieren, dass es sich für sie schlichtweg nicht mehr lohnt, illegal die bis zu 1000 Jahre alten Urwaldriesen zu fällen und einigartige Lebensvielfalt unwiederbringlich zu zerstören.
Gut wäre beides. Da wir aber auf a) wenig Einfluss haben, da dies von den Finanzen und der Regierungsführung vor Ort abhängt, bleibt uns nur b) übrig.
Um b) zu erreichen, müssen wir darauf verzichten – zu keinem Preis – dieses Holz anzukaufen, so dass die illegalen Holzbarone keinen Absatzmarkt mehr finden. Schon lange wird ein Importverbot solcher Hölzer auf Bundes- und EU-Ebene diskutiert. Ein von Deutschland bei der EU zur Absegnung eingereichter Gesetzesentwurf zur alleinigen deutschlandweiten Umsetzung ist untergegangen und weder bei der EU noch in Deutschland weiß man, wo der Entwurf verblieben ist.
Das ganze EU-weit umzusetzen wird schon lange – zu lange – diskutiert. Rennomierte Personen wie Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogrammes (UNEP) halten dieses Problem aktuell für äußerst dringenst.
Seit über 10 Jahren unterstütze ich nun schon den Verein Rettet den Regenwald e.V. mit einem kleinen monatlichen Obulus. Der Verein wurde übrigens von der Zeitschrift Öko-Test als einer unter drei mit der Note „sehr gut“ im Umgang mit Spendengeldern von insgesamt 19 getesteten Naturschutz-Vereinen hervorgehoben. Auf der Website von Rettet den Regenwald e.V. www.regenwald.org kann man eine E-Mail als Apell an die EU für ein Importverbot von illegal geschlagenem Regenwaldholz verschicken.
TV-Tipp: In der Reihe Auslandsreporter des SWR wird am 5.11.2008 um 22:30 Uhr die 30-minütige Reportage „Die Raubholz-Mafia – kriminelle Geschäfte mit dem Urwald“ gezeigt.
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6. Oktober 2008 um 16:01 (Afrika, China, Entwicklungspolitik, Umwelt, Wald, Wasser, Wüste)
Tags: Alternativer Nobelpreis, Baumpflanzung, Chinas Grüne Mauer, Desertifikation, Friedensnobelpreis, Grüner Gürtel, Green Belt Movement, Kenia, Wangari Maathai, Wüstenbekämpfung
Der Mensch ist das einzige Tier, das Wasser mehrere tausend Kilometer weit transportieren und dann verteilen kann. Der Mensch beherrscht die Erde, was unbedingt konstruktiv genutzt werden muss.
China
Dass wir sehr auf unseren Planeten aufpassen müssen ist ja nichts Neues. Dass die Desertifikation nicht nur, aber besonders auch in China enorm vorangeschritten ist, wissen sicher auch schon Viele. Dass das derzeitige chinesische Wirtschaftswunder zu einem sehr großen Teil auf Kosten der Umwelt geht ist auch bekannt. Laut WWF ist ein Drittel Chinas mit Sand bedeckt und China emittiert inzwischen mehr CO² als die USA. Es gibt aber auch in China Menschen, die gegen die voranschreitende Desertifikation Bäume pflanzen.
Als Teil des nationalen Programms zur Rettung der Umwelt muss irgendwann in seinem Leben jeder Chinese Bäume setzten. Dieses ambitionierteste Projekt des chinesischen Staats wird die Grüne Chinesische Mauer genannt. Ein Schutzwall aus Wäldern gegen die Wüste wurde hierfür die letzten 20 Jahre durch 14 Provinzen Nordchinas gepflanzt und somit Millionen von Hektar wieder begrünt.
Das seit 1978 laufende Programm wird von vielen Nationen, u.a. auch Deutschland, unterstützt.
Bestimmte Pflanzen haben sich als besonders widerstandsfähig gegen das rauhe Wüstenklima gezeigt und als nützlich gegen die Sandstürme und fortschreitende Desertifikation bewährt. Weide, Akazie, chinesische Kiefer und eine Zypressenart sind Spezialisten, die Sand, Kälte und Dürre ertragen und nicht so sehr von Kaninchen und Ziegen angefressen werden. Luzerne wird wegen ihrer stickstoffbindenden Wirkung als Gründüngung dazwischen gesät, wovon sich wieder andere Pflanzen und Gräser ernähren können.
Trotz der Bemühungen für Chinas Grüne Mauer hat die Häufigkeit der Sandstürme in Beijing seit den 1950ern um das 15-fache zugenommen.
Vorbild Afrika -
Das Green Belt Movement – Grüner Gürtel in Afrika
Wie schaut es aus in Afrika?
Die kenianische Professorin Wangari Maathai erhielt 2004 den Friedensnobelpreis als erste afrikanische Frau, nach dem sie bereits 1984 mit den Alternativen Nobelpreis für die Gründung der Bewegung Green Belt Movement im Jahr 1977 ausgezeichnet wurde.

Wangari Maathai, Umweltaktivistin, Nobelpreisträgerin und stellvertretende Ministerin für Umweltschutz in Kenia
„Was mich betrifft, so werde ich weiter Bäume pflanzen, insbesondere einheimische Arten, und wo möglich, werde ich Ideen pflanzen.“ (Dankesrede anläßlich der Verleihung des Petra-Kelly-Preises der Heinrich-Böll-Stiftung, 30. April 2004, boell.de).
Durch ihr Aufforstungsprojekt Green Belt Movement wurden mittlerweile alleine in Kenia 6000 Baumschulen gegründet und 30 Millionen Bäume zum Schutz vor Erosion und Sicherungen der Lebensgrundlagen der Bevölkerung gepflanzt. Training und Knowhow-Sharing führten bereits in 15 weiteren zentral- und ostafrikanischen Ländern zur Gründung von Baumpflanz-Initiativen.
„Mama Miti” (Kisuaheli für „Mutter der Bäume“) wie Maathai auch genannt wird, wurde in den 90ern mehrmals inhaftiert und misshandelt da sie sich durch Ihr Engagement für Umweltschutz und Frauenrechte oft in Opposition zum damaligen kenianischen Staatschef Daniel arap Moi befand. 2002 ernannte der neue kenianische Staatspräsident Mwai Kibaki die mittlerweile ins Parlament eingezogene Maathai zur stellvertretenden Ministerin für Umweltschutz in Kenia. So wird ihr nachgesagt, die erste „grüne“ Politikerin in einer afrikanischen Regierung gewesen zu sein.
Maathai ist u.a. auch Mitglied des Club of Rome. Die Website Ihrer Organisation Green Belt Movement ist hier zu finden.
(weitere Quellen: Wikipedia: Wangari Maathai; Spiegel Online; Wüsten im Vormarsch, Dokumentation von Klaus Feichtenberger & Ingo Herbst, D 2007. )
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