Einschränkung der Pressefreiheit in Sri Lanka und der „Srilankan Tamil Genocide“

Laut der Menschenrechtsorganisation „Rights Now“ in Sri Lanka sind fast 1000 Sri Lankis in den letzten 2 Jahren verschwunden, über 2000 sitzen ohne Anklage in Gefängnis, viele davon werden gefoltert. Betroffen sind neben politisch engagierten Tamilen auch singhalesische Menschenrechtler und kritische Journalisten. Nur in einzelnen Fällen und nach erheblichem internationalen Druck kommt es manchmal zur offiziellen Anklage eines Staatsanwalts.
Mehr als ein Duzend kritischer Journalisten sind in den letzten 2 Jahren verschwunden oder ermordet worden. Sri Lankas singhalesische Regierung will mit allen Mitteln verhindern, dass Journalisten den Krieg gegen die tamilischen „Rebellen“ im Norden des Landes kritisiert. So werden alle Tamilen und kritische Singhalesen engmaschig überwacht.
Es werden immer mehr Zeitungen von der Regierung geschlossen und Knebelgesetze zur Kontrolle der Medien und des Fernsehens erlassen. Ziel ist, der Singhalesischen Bevölkerung ein verzogenes Bild der Bedrohung durch Tamilen im Land vorzugaukeln.

Quellen: Kruchem, Thomas: Land im Bürgerkrieg – Sri Lanka unterdrückt freie Berichterstattung, Deutschlandfunk 25.04.2009.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich mit ca. 17 Jahren in einer Restaurantküche als Aushilfskraft jobbte und oft mit geflüchteten srilankischen Tamilen zusammen arbeitete. Eines Tages fielen mir große Narben an den Armen eines srilankischen Kollegen, kaum älter als ich selbst, auf. Ich fragte ihn, woher diese Narben kamen und er antwortete: aus dem Gefängnis. Er hätte für die Tamil Tigers gekämpft und wurde eingesperrt. Er erzählte mir dann, dass auch sein Bruder eingesperrt wurde und im Gefängnis ums Leben kam. Das hinterließ bei mir, aufgewachsen in der friedlichen westdeutschen Umgebung, damals einen bleibenden Eindruck in meinem Weltbild. Oder besser: ich verstand in diesem Moment die Welt nicht mehr.

Die starke Präsenz dieses Themas in der aktuellen deutschen Presse nehme ich nun zum Anlass, meinem Versprechen gegenüber eines Freundes aus Tamil Nadu / Indien folge zu leisten und seine an mich gesendete Information bzgl. der Thematik weiter zu streuen:

Srilankan Tamil Genocide

Dear Friends,
I like to inform you of the mass Tamil genocide in Srilanka. The are 7 nation(India,China,Pakistan,Japan.Usa…) army generals in Srilanka supplying arms and tactical knowhow for this genocide. The sriLa gov is  a jackal saying it supports India ,china and Pakistan and gets weapon from all of them.
The srilanklan Gov has given permission to japan to set up a port & already agreed with china  to set up its base in Jaffna after the Ltte [Anm.: Liberation Tigers of Tamil Eelam] are killed. I don’t know how this tactically helps India to have its enemy under its feet and Usa trying to set up a base.
I agree that Ltte had killed our prime minister but haven’t the congress gov forgotten that Indira Gandhi was killed  and the same community member  is our Prime Minister. Is Eye for an Eye always the answer for the crying and dead children. The India news channel cry’s the women are beaten up in mangalore(sri ram sena) but shows a deaf ear to the outcry of thousands of young tamil women in Srilanka. The media shouts loud when the north Indians are attacked in Mumbai but turns a blind eye to the atrocities committed by the srilankan army on Tamilians like the Indian Gov turns a blind eye to our Olympic medal winning boxers
Retired  American Assistant Attorney general Bruce Spain is going to file a complaint against Srilankan Defence secretary  Kothapaiya Rajapaksha and defence general Sarath Ponsekha in America for Tamil Genocide . I am ashamed that my tax money is used to kill the SL tamils and the tamilnadu politician trying to gain political  points of innocent deaths.
The international aid agency like red cross are always kept away from S anka r up the killings.There is a false propaganda by the Indian RAW and srilankan army to distract the killing of innocent civilians.
There are 5,00,000  civilians in brink of death.The SL army announces safe zones but bombs them killing around 50 people a day. Everyday 3 Tamilian are loosing their life.It is upon us to act pls forward this message.
Thank you

Let’s Make Money – Film über den Neoliberalen Kapitalismus und einen Economic Hit Man

„Der Film dokumentiert die Geldströme im globalen Finanzsystem und bezeugt die ungleiche Verteilung des Vermögens auf der Welt sowie innerhalb von Gesellschaften“ (Wikipedia).

Heute war ich im Kino in dem neuen Film Let’s Make Money von dem österreichischen Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer und ich muss sagen der Film hat mich wirklich schockiert. Einiges der hier überzeugend dargestellten globalen Ungerechtigkeiten war ich ja schon gewohnt durch mein Studium der Entwicklungspolitik und Literatur z.B. von Joseph Stiglitz. Jedoch hinterlassen die Zahlen und Buchstaben in schwarz-weiß auf den Folien in der Uni und in den Büchern doch einen etwas distanzierenderen Eindruck als die bildliche Darstellung der schweißgebadeten Stirn afrikanischer Jungen beim Baumwollpflücken oder die geschundenen Hände zierlicher Mädchen beim Arbeiten im Steinbruch in Indien, allesamt sicher nicht älter als 12 oder 13 Jahre. Oder die Babies die zwischen den Beinen der Mütter im Steinbruch sitzen müssen, während diese in der Hitze Granitbrocken zertrümmern um den Lebensunterhalt zu verdienen; die Leute in Burkina Faso die 50 Euro im Jahr(!) verdienen und auch nicht weniger arbeiten als wir hier. Ob sie wohl jemals einen Radio besitzen werden?? Oder die tausenden von leerstehenden Luxusimmobilien zwischen gespränkelten Golfplätzen an der Costa del Sol in Spanien, die nach der Immobilienkrise keine Abnehmer mehr finden und mich übrigens sehr an Dubai erinnerten.

Da verwundert es nicht, dass ein gebildeter Afrikaner sagt, man könne die Mauern zur Abschirmung Afrikas vom Westen 10 Meter hoch bauen und sie werden trotzdem alle in den Westen kommen, wenn es so weitergeht wie bisher. Wenn die ungerechten Subventionen der eigenen Ökonomien im Westen gang und gäbe sind, dies aber den Entwicklungsländern von den internationalen Finanzgebern wie Weltbank oder IWF unter Androhung von Kreditstreichungen verboten wird.
Ein Film den man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben muss und locker in die Klasse des Michael Moore-ebenbürtigen Aufklärungsjournalismus aufzunehmen ist.

Hier ein Let’s Make Money-Trailer von 2 Minuten:

Der wohl schockierendste Teil des Filmes ist die Beschreibung und das Interview des Economic Hit Man („Wirtschaftskillers“ oder “Knochenbrechers“) John Perkins. Perkins hatte angeblich im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes NSA die Regierungen von Entwicklungsländern in den Ruin gestürzt, um den USA leichteren Zugriff auf deren Rohstoffressourcen zu ermöglichen.

Hier ein 17-minütiges (englisches aber gut verständliches) Interview mit dem Economic Hit Man John Perkins von ALJazeera:

Aud einer Website des US State Department’s Bureau of International Information Programs (IIP) von 2006 wird John Perkins allerdings als Verschwörungstheoretiker dargestellt und seine Geschichte als „pure Fantasie“ abgewiesen.

Ob und in wie weit John Perkins wirklich die erwähnte Rolle für den US-Geheimdienst gespielt hat, kann ich leider momentan nicht ganz klar stellen. Fakt ist, dass er scheinbar inzwischen damit sehr häufig in der Öffentlichkeit auftritt und schon mehrere Bücher zum Thema verfasst hat:

- Bekanntester Bestseller: Bekenntnisse eines Economic Hit Man, 2005 (Leseprobe hier).
- Steven Hiatt (ed.): A Game as Old as Empire. The Secret World of Economic Hit Men and the Web of Global Corruption. Introduction by John Perkins, 2007 (Einleitung und erstes Kapitel hier als PDF kostenlos verfügbar).
- The Secret History of the American Empire: The Truth About Economic Hit Men, Jackals, and How to Change the World, 2008.
- Weltmacht ohne Skrupel: Die dunkle Seite der Globalisierung – Wie die USA systematisch Entwicklungsländer ausbeuten, 2007.

Der Geist des Geldes

Wem der Film Let’s Make Money gefällt, dürfte sich übrigens auch für den Film „Der Geist des Geldes“ von Yorick Niess interessieren, der meiner Meinung nach ebenfalls sehr empfehlenswert ist und worin u.a. Jean Ziegler, bis 2008 Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung, zu Wort kommt.

Einige der Top-Verdiener des Jahres 2007

Was man in der Wirtschaft verdient (bzw. nicht verdient beim Staat und in der Politik).

Name/ Verdienst im Jahr 2007

  • Josef Ackermann, Chef Deutsche Bank (= Privatbank, nicht staatlich!): 14,34 Mio. Euro
  • Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender Siemens: 11,21 Mio. Euro
  • Dieter Zetsche, Vorstandschef Daimler: 8,6 Mio. Euro
  • Wolfgang Reizle, Vorstandsvorsitzender Linde AG (Gas and Engineering): 8,1 Mio. Euro
  • Michael Römer, Merck (Pharma): 7,3 Mio.
  • Martin Winterkorn, Vorstandschef Volkswagen: 6,59 Mio. Euro
  • Hennig Kagermann, Vorstandschef SAP: 5,91 Mio.
  • Wulf Bernotat, Vorstandsvorsitzender E.On: 5,33 Mio.
  • Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender BASF 5,21 Mio.
  • Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender Allianz: 5,2 Mio.
  • Ben J. Lipps, Vorstandsvorsitzender Fresenius Medical Care 4,52 Mio.
  • Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender Dt. Post: 4,3 Mio.
  • Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender Adidas: 4,18 Mio.
  • Harry Roels, Vorstand RWE: 3,94 Mio.
  • Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender BMW: 3,75 Mio.
  • Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender Bayer: 3,6 Mio.
  • Ulrich Lehner, Vorstandschef Henkel: 3,38 Mio.
  • Klaus-Peter Müller, Vorstandsvorsitzender Commerzbank 2,88 Mio.
  • Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender Lufthansa: 2,71 Mio.
  • René Obermann, Vorstandschef Telekom: 2,66 Mio.
  • Bastian Schweinsteiger, Fußballspieler FC Bayern München: 1,8 Mio./Jahr bzw. 150.000 p.m. ohne Werbeeinnahmen!!!
  • Aktuelles Angebot vom ZDF an Claus Kleber, Moderator „heute“: 600.000 p.a.
  • Angela Merkel: ca. 200.000 Euro p.a.
  • Frank Bsirske, Chef Verdi: 170.000 Euro p.a./ 14.160 Euro p.m.
  • Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts: 150.000 Euro p.a./ 12.860 p.m.

(Quellen: Stern, Spiegel, Focus)

D.h. der Lenker des „Unternehmens Deutschland“ verdient ein sechsundfünfzigstel (1/56)! von dem Lenker von Siemens. Ist Siemens größer als Dt.? Nein, Siemens (430.000 Mitarbeiter) hat einfach nur die Top-Leute unter seinem Dach!!!
Warum gehen Top-Leute lieber zu Siemens als in die öffentliche Forschung (Universitätsprofessor) ? Na Siemens zahlt x-mal besser. Gehört also eine Portion Idealismus/ Altruismus dazu, Professor zu werden statts Siemens-Mitarbeiter??
In Indien hat man mir genau das selbe berichtet, wohl nur noch viel extremer: Die guten Leute gehen in die Industrie statts in die öffentliche (allen zugängliche) Forschung. Der Indische Staat zahlt noch sehr viel weniger an Hochschullehrer im Vergleich zu den Industrielöhnen vor Ort. Folge: Die Bildung wird schlechter und Forschungsergebnisse/ Patente sind von Unternehmen unter Verschluss und werden nicht kostenlos der Allgemeinheit zur Nutzung zur Verfügung gestellt.
Der chinesische Ethnologe Biao Xiang schrieb 2007 über Indien, dass ohne die Frauen und Kinder, die für ein paar Cent pro Tag den IT professionals und Industriekönigen Tee bringen und hinterherputzen, es diese nie so weit geschafft hätten wichtige Angelpunkte im globalen Wirtschaftssystem zu werden.

(Vgl. Xiang, Biao (2007): Global “Body shopping“: An Indian labor system in the information technology industry. Princeton, N.J. [u.a.]: Princeton Univ. Press, 2007.)

Atomkraft in Indien, Deutschland und USA

Also ich habe vor einigen Tagen mit Entsetzen von einer Bekannten, welche schon seit vielen Jahren als Deutsche in Indien lebt erfahren, dass Indien seine Atomkraft um das 5-fache ausbauen möchte. Ich konnte es erst gar nicht richtig glauben. Heute habe ich durch Zufall einen Artikel im Netz gefunden, der eben dies belegte. Laut Financial Times Deutschland vom 25.07.2005! möchte Indien mit Hilfe der USA seine Atomenergie-Nutzung bis 2020 sogar um das Sechsfache ausbauen!

Da frag ich mich doch wie sowas zusammen in eine Welt passt. Wir hier geben uns größte Mühe, die Atomkraft bis 2022 aus unserem Lande zu verbannen, und die Indier, bei denen ja aber auch dauernd Stromausfall ist (ist so, ich war dort und hab’s miterlebt), die scheinen gar nicht zu beachten, was in Deutschland diesbezüglich für eine Politik läuft.

Schaut man mal über den großen Teich, da ließt man übrigens auch dass McCain 45 neue Atomkraftwerke bauen will, Obama scheint da nicht ganz so extrem vorzuperschen obwohl er scheinbar auch Atomenergie als möglichen Weg sieht. Bin ja echt mal gespannt wie das da drüben ausgeht. Momentan haben sie etwa 100 Atomreaktoren und decken damit 20% ihres Stromverbrauchs in den USA ab, laut Süddeutsche Zeitung (19.6.08).